Netzhautdiagnostik:
Fundusautofluoreszenz macht Einlagerungen
sichtbar
Die Fundusautofluoreszenz untersucht das retinalen Pigmentephitel
(RPE), eine dünne Gewebeschicht, die für wichtige Stoffwechselvorgänge im Auge zuständig ist. Sie versorgt die Photorezeptoren der Netzhaut und entsorgt deren Abbauprodukte. Im Laufe des Lebens bilden sich durch diese Abbauprozesse in den Zellen des RPE Einlagerungen, die als Lipofuszin bezeichnet werden.
Krankhafte Veränderungen der Netzhaut können zu einer vermehrten Ansammlung von Lipofuszin führen. Bei weit fortgeschrittenen Krankheitsprozessen gehen RPE Zellen einschließlich des Lipofuszins zugrunde und werden abgebaut. Es kommt somit in verschiedenen Stadien bestimmter Netzhauterkrankungen zu einer atypischen Verteilung von Lipofuszin. Mit Hilfe der Fundusautofluoreszenz kann dies heute auf unkomplizierte Weise frühzeitig sichtbar gemacht werden; oft bereits bevor die Veränderungen im gleichen Ausmaß bei der Untersuchung des Augenhintergrundes erkennbar sind. Somit ist es möglich, wichtige Informationen zur Beurteilung insbesondere der Frühstadien einer Netzhauterkrankung zu gewinnen.
Wie funktioniert die Fundusautofluoreszenz?
Lipofuszin zeigt das Phänomen der Fluoreszenz. Das bedeutet, dass es Lichtenergie in einer bestimmten
Wellenlänge aufnimmt und in einer anderen, längeren Wellenlänge wieder abstrahlt. Mit Hilfe von speziellen Filtern wird bei der Fundusautofluoreszenz nur der Wellenlängenbereich des abgestrahlten Lichtes im Augenhintergrund fotografisch aufgezeichnet. Auf diese Weise erhalten wir eine sehr präzise Darstellung des Lipofuszins und dessen Verteilungsmuster.
Sind für diese Untersuchung Kontrastmittel erforderlich?
Nein. Im Gegensatz zur Fluoreszein-Angiographie wird diese Untersuchung ohne die Injektion von Kontrast- oder Farbstoffen durchgeführt. Die Fundusautofluoreszenz ist somit risikolos wiederholbar und kann sehr gut auch bei Kindern eingesetzt werden.
Was passiert bei der Untersuchung?
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nicht lange. Sie wird meist mit dem Heidelberg Retina Angiographen (HRA) oder einem SPECTRALIS BluePeak durchgeführt. Sie sitzen auf einem Behandlungsstuhl und stützen das Kinn in der Auflage des Gerätes ab. Während Sie mit den Augen den Anweisungen des Arztes oder der Assistenz folgen, werden berührungsfrei die Aufnahmen angefertigt.
Wann ist die Untersuchung sinnvoll?
Bei bestimmten degenerativen Netzhauterkrankungen, insbesondere bei der trockenen Form der Altersabhängigen Makuladegeneration. sowie anderen Makulaerkrankungen und Makuladystrophien, stellt die Fundusautofluoreszenz eine wertvolle Ergänzung des Untersuchungsspektrums dar. In genauer Kenntnis des für die jeweiligen Krankheitsbilder und Erkrankungsstadien typischen Lipofuszinbildes kann der Arzt zum Beispiel verschiedene Formen der Makuladegeneration differenzieren, Therapieerfolge und Krankheitsverläufe kontrollieren. In bestimmten Fällen ist die Untersuchung auch zur Früherkennung krankhafter Netzhautveränderungen geeignet.
Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Wie viele aktuelle Errungenschaften der Medizin ist die Fundusautofluoreszenz nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Sie haben jedoch die Möglichkeit, die ergänzende Untersuchung gegen eine maßvolle Gebühr als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) wahrzunehmen.
Bei diesen Krankheitsbildern und Verdachtsmomenten kann die Fundusautofluoreszenz hilfreich sein:
– Frühe und trockene Form der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD)
– Erstdiagnose einer feuchten Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD)
– Makuladystrophien (z. B. M. Best, M. Stargardt, adulte vitelliforme Makuladystrophie)
– Netzhautdegenerationen infolge von
Medikamentennebenwirkungen
(z.B. durch
Chloroquin)
– Makulaveränderungen bei Retinitis pigmentosa
– Alle Makulaerkrankungen ohne
Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut
Weitere netzhautdiagnostische Verfahren
Optische Kohärenztomografie (OCT)
Fundusfotografie zur Dokumentation und Verlaufskontrolle von Erkrankungen
Oktober 2010
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