| |
|
Interview mit Edmund Gabriel vom CBM Regionalbüro in Addis Abeba
Düsseldorf / Bensheim / Addis Abeba, 26.11. 2007 — Die OcuNet Augenklinik in Chiro/Äthiopien ist nach nunmehr 2-Jähriger Vorbereitungsphase im letzten Bauabschnitt. OcuNet ist ein Zusammenschluss von augenchirurgischen Zentren und nicht-operierenden Augenärzten, die ein ehrgeiziges und weit über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehende Qualitätsmanagement im Interesse der bestmöglichen Versorgung ihrer Patienten umsetzen.
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) unterstützt neben Krankenhäusern mit Augenabteilungen auch mobile Augendienste, Blindenschulen, dörfliche Gesundheitsdienste sowie Einrichtungen und Förderprogramme für Gehörgeschädigte, körperlich und geistig Behinderte. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr weltweit in mehr als 1.000 CBM-Hilfsprojekten über 12 Mio. Augenkranke, Blinde und anders behinderte Menschen behandelt, gefördert oder betreut.
Die OcuNet Augenklinik in Äthiopien liegt im Bundesstaat Oromiya, einer der ärmsten Regionen der Welt. Nach ihrer Fertigstellung erhalten 5 Mio. Menschen Zugang zu augenmedizinischer Versorgung. Der Schwerpunkt der Hilfe wird auf der Operation des Grauen Stars (Katarakt) liegen, einer Trübung der Augenlinse, die im fortgeschrittenen Fall zur Erblindung führt. Langfristiges Ziel ist es, für die ständige Arbeit in der Augenklinik einheimische Ärzte weiterzubilden. Bis es so weit ist, reisen Ärzte des OcuNet Verbunds in wechselnden Teams nach Chiro.
Edmund Gabriel aus Deutschland ist Agraringenieur und Marketingmanager. Nachdem er bereits mehrere Jahre für verschiedene Entwicklungshilfeorganisationen in Afrika tätig war, arbeitet er seit 1999 für die CBM (Christoffel-Blindenmission) in Addis Abeba. Bis 2004 plante und strukturierte er Projekte zur Integration von Menschen mit Behinderungen. Seit 2004 leitet er das dortige CBM-Regionalbüro, und ist unter anderem für den Neubau der OcuNet Augenklinik in Chiro verantwortlich. Seit rund zwölf Monaten wird bereits gebaut – in einem Jahr sollen nach derzeitigen Planungen die ersten Patienten behandelt werden. Wir fragten Edmund Gabriel nach dem aktuellen Stand.
Was ist die wichtigste Voraussetzung, damit ein Projekt wie das in Chiro erfolgreich umgesetzt werden kann?
Wichtig ist, dass sich die örtlichen Träger – in unserem Fall hauptsächlich die Gesundheitsbehörde – hundertprozentig mit dem Projekt identifizieren. Aus diesem Grund binden wir die Partner in alle Schritte intensiv mit ein. Das ist vielleicht nicht immer der schnellste, aber langfristig auf alle Fälle der effektivste Weg. Der Vorteil ist, dass wir dadurch eine Nachhaltigkeit erreichen, die auch über den Zeitraum der Unterstützung durch OcuNet und CBM hinausgeht. Die CBM hat der Gesundheitsbehörde mit technischer Unterstützung geholfen. Sie hat beispielsweise einen Architekten gestellt, um die Ausschreibung voranzutreiben und die Baudurchführung zu überwachen.
Was waren bislang die Hauptschwierigkeiten?
Auch in Äthiopien müssen viele bürokratische Hindernisse überwunden werden. Der Gewinner der Ausschreibung erhielt dann im August 2006 den Zuschlag. Leider starb der Unternehmer, was uns zwang, den Zeitplan nach hinten zu korrigieren. Jedoch übernahm sein Sohn den Bauauftrag. Der Projektfortschritt wurde auch teilweise dadurch gehemmt, dass durch den landesweiten Bauboom Zement nur schwer erhältlich war und die Tatsache, dass durch eine verlängerte Regenzeit Arbeiten am Fundament hinausgeschoben werden mussten.
Wie wird in Äthiopien gebaut?
Mit viel Handarbeit. Ausschachtungen wie auch sonstige Arbeiten werden mit Schaufeln und Hacken vorgenommen. Auch das Betonmischen und das Abtragen von Erde erfolgt mit Muskelkraft. Bei diesen sehr anstrengenden Arbeiten fällt auf, dass ein großer Anteil der Hilfsarbeiter junge Frauen sind. Ihre Alternative: eine schlechter bezahlte Arbeit als Hausmädchen. Zu Spitzenzeiten können durchaus bis zu 100 Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Baustelle tätig sein.
Betonarbeiten wie die Fundamente, Pfeiler und Ringanker werden gegossen und die Zwischenräume dann mit Hohlblocksteinen ausgemauert. Diese Skelettbauweise hat sich bei den schwierigen Bodenverhältnissen in Äthiopien bewährt, die aufgrund der extremen Unterschiede zwischen feuchter und trockener Periode bestehen. Das Skelett ist jetzt bis auf den Ringanker fertig gestellt. Das Ausmauern mit Hohlblocksteinen wird nur noch wenige Wochen dauern.
Woher kommt die augenmedizinische Ausstattung?
Einrichtungsgegenstände wie Instrumente, Verbrauchsgüter und Medizin werden zu Beginn 2008 von uns bestellt, sodass sie zur Fertigstellung des Baus zur Verfügung stehen und damit die Versorgung der Patienten sofort beginnen kann. Wir nutzen – um die Kosten niedrig zu halten – alle Großkunderabatte der CBM.
Eine wichtige Frage ist, wer langfristig als Kataraktchirurg tätig sein wird. Es gibt einen Kandidaten, der ursprünglich aus der Region stammt. Er wird im Februar 2008 seine zweieinhalbjährige Ausbildung an der Jimma-University abschließen. Dieses Ausbildungsprogramm wird ebenfalls von der CBM unterstützt.
Wer profitiert von der neuen Augenklinik?
Rund fünf Millionen Menschen in und um Chiro, einem der bevölkerungsreichsten Gebiete Äthiopiens, werden Zugang zu augenmedizinischer Versorgung erhalten. In Äthiopien werden zurzeit pro Million Einwohner nur 360 Graue-Star-Operationen pro Jahr durchgeführt. Im Vergleich dazu liegt diese so genannte Kataraktoperationsrate in Deutschland bei über 4.000. Für Afrika wird eine Rate von 2.000 angestrebt, um Blindheit aufgrund von Grauem Star zu verhindern. Wir sind also in Äthiopien - bei einer Bevölkerung von nahezu 80 Millionen Einwohnern - noch weit davon entfernt, dies zu erreichen; die Augenklinik in Chiro wird uns diesem Ziel aber ein Stück näher bringen.
Ansprechpartner:
OcuNet GmbH & Co. KG
Frau Dipl. Volkswirtin Ursula Hahn
Sedanstr. 9, 40217 Düsseldorf
Tel.: 02 11 – 179 32 66
Mail:
Internet: www.ocunet.de
Annette Keseberg
Christoffel-Blindenmission eV
Nibelungenstraße 124
64625 Bensheim
Tel.: 0 62 51 - 13 13 40
Mail:annette.keseberg@cbm-i.org
Internet:www.christoffel-blindenmission.de |
 |
 |